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Biographie

'Brainwashed', der zweite Longplayer der in Sheffield ansässigen While She Sleeps, ist nicht einfach nur ein Album. Es ist die Krönung dessen, was die fünf Bandmitglieder - Sänger Loz Taylor, die Gitarristen Mat Welsh und Sean Long, Bassist Aaran McKenzie und Drummer Adam Savage - im kreativen Prozess durchleben mussten: eine fleischgewordene Manifestation des puren Triumphs im Angesicht harten Gegenwinds. Ein Album, das trotz und gerade wegen der Dinge, die ihm im Weg standen, das Licht der Welt erblickt - ernsthafte Probleme mit Taylors Stimmbändern, die zwei operative Eingriffe erforderten und die Produktion im Grunde um ein ganzes Jahr verzögerten. Kein Wunder, dass die Tatsache, dass 'Brainwashed' endlich - beinahe - unter uns ist, für alle Beteiligten eine riesige Erleichterung und reichlich Grund zum Feiern darstellt.

"Wir haben so verdammt viel Zeit und Mühe da reingesteckt," lacht Adam. "Es ist nicht so abgelaufen, wie wir das geplant hatten, aber dafür ist es genauso geworden, wie wir das wollten. Das ist eine dieser Situationen zwischen Segen und Fluch. Aber ich würde es nicht anders haben wollen. Wir haben diese Zeit für uns gebraucht, um das Album zu schreiben. Es ist einfach eine bessere Version von uns. Es war stellenweise hart, aber ich glaube, dass es nie leichtfällt, wenn man etwas mit Leidenschaft macht. Es gibt gute und schlechte Zeiten."
Loz fügt hinzu: "Ich denke, dass das beweist, dass wir uns gegenseitig durch seltsame Situationen helfen können, die die Band und uns als Kumpels betreffen."

Bemerkenswert an der ganzen Situation ist vor allem, wie die Band damit umgegangen ist. Anstatt sich runterziehen zu lassen, sah man der Herausforderung ins Auge und drehte ein Desaster zum eigenen Vorteil um. "Loz entdeckte seine Stimmbandprobleme genau dann, als er aufnehmen sollte", erläutert Aaran. "Es war echt seltsam. Aber wir gewannen dadurch mehr Zeit, an kleinen Details und Gitarrenparts zu arbeiten, und das Album wäre nicht so herausgekommen, wenn wir nicht diese Zeit dafür gehabt hätten. Hinter jeder Wolke wartet eben ein Silberstreif."

Ganz schön tiefgestapelt: von Colin Richardson und Carl Bown produziert, zeigen sich die elf Albumtracks als pure Macht - ein Sperrfeuer aggressiver Soundwälle, die eine große Bandbreite von Genres streifen und von der Band einfach als Alternative Rock bezeichnet werden. Musikalisch hat man im Vergleich zum Debüt 'This Is The Six' einen großen Schritt nach vorne gemacht - einen, der gleichzeitig eingängig und streitlustig ist. Der hymnische Groove von 'Four Walls' etwa - ein Song, der übrigens sogar Seans Oma gefällt. Das überragend erbarmungslose und aufbrausende 'Trophies Of Violence', oder das epische Finale 'Modern Minds', das sich in einem Crescendo voller Anmut und Stärke ergießt. Auch textlich - das schickt der Albumtitel schon voraus - macht 'Brainwashed' keine halben Sachen: es ist eine wortgewaltige Anklage an die Macht, die die Medien über den Menschen ausüben.
"Wir möchten wirklich, dass diese Message ankommt," sagt Aaran. "Prinzipiell glauben wir, dass die breite Masse durch Ängste schürende Propaganda zu Sklaven der Wirtschaft manipuliert wird. Wir möchten die Leute aufwecken und ihnen zeigen, dass es Alternativen gibt. Man muss nicht konform gehen. Die Leute nehmen ihre Situation und das Finanzsystem einfach passiv hin. Wir müssen alle mitmachen, aber wir wollen einfach, dass den Menschen bewusster ist, was eigentlich für eine Scheiße passiert."
"Der Albumtitel," sagt Mat, "ist jetzt nichts völlig neues. Wir benutzen ihn nur, um zu verdeutlichen, dass ihr vermutlich vergessen habt, wie sehr ihr einer Gehirnwäsche unterzogen wurdet. Ihr seid es dermaßen gewohnt, konstant mit Werbung und Medien gefüttert zu werden, dass es euch fast entgeht, dass ihr permanent davon umgeben seid und praktisch nur noch gehorcht. Wir schließen uns da nicht aus. Wir verkaufen Musik. Das ist dasselbe. Aber weil wir wissen, was wir tun, benutzen wir das eher für eine positive Gehirnwäsche - anstelle für etwas Schlechtes oder Schädliches."

Von den Erfahrungen während der Entstehung der Platte inspiriert - und dem Triumph, nach gut 13 Monaten seit dem ersten Studiobesuch im November 2013 endlich fertig zu werden - fließt tatsächlich ein Gefühl von Hoffnung durch diese Songs. Ja, es gibt auch Wut und Zorn, aber die wurden in etwas Positives und Inspirierendes kanalisiert.
Loz beschreibt: "So viele Bands da draußen können sagen, was sie wollen, aber ich denke oft, dass das verschwendet wird. Auch wenn es vor und zurück zwischen negativ und positiv geht, wollen wir am Ende eine positive Aussage treffen. Als ich jung war und den Metal entdeckte, war da dieses echte Gefühl von Zusammengehörigkeit. Das scheint verloren gegangen zu sein, und wir versuchen, es zurückzubringen. Das zeigt sich auch daran, wie "Gang"-lastig die neuen Vocals sind. Wir mögen dieses Gefühl von Zusammenhalt, und für mich hat das Album einen 'wir halten zusammen für ein höheres Ziel'-Vibe. Das ist die Essenz des Ganzen."
"Hoffentlich erreichen wir etwas," meint Aaran. "Jeder, der die Möglichkeit hat, die Leute zu erreichen, sollte das Richtige tun - und wir glauben, wir tun das Richtige. Ich behaupte wirklich nicht, wir hätten auf alles Antworten, aber wir wollen den Menschen die Augen öffnen."

Solch positives Denken wird auch von der hingebungsvollen Fanbase der Engländer genährt, die der Band die ganze Zeit treu zur Seite stand. Während WHILE SHE SLEEPS kürzer treten mussten, halfen ihre Fans - die sie gerne als ihre Familie bezeichnen - bei jedem Schritt.
"Es gab jede Menge Unterstützung," schwärmt Loz. "Allein die Tatsache, dass die Leute noch immer Bandshirts kaufen, damit wir etwas zu beißen haben, hat mir einen riesigen Arschtritt verpasst, um meinen Heilungsprozess voranzutreiben und schnell wieder auf der Bühne zu stehen. Ohne die SLEEPS-Fans würden wir es nicht schaffen."
Sean fügt hinzu: "Diese Platte ist vermutlich das Wichtigste, bei dem wir kollektiv sagen können, dabei gewesen zu sein. Eine große Sache! Schaut man sich die Scheiße an, die wir durchstehen mussten, besteht dieses Album aus unseren Emotionen. Wir hatten so ein heftiges Jahr, und das haben wir alles in dieses Ding namens 'Brainwashed' gesteckt."
"Dieses Album fühlt sich so an, als ob die Band endgültig zusammengeschweißt wurde", meint Mat. "Es ist ein ehrliches Bild von uns als Menschen - und von dem, was wir in den letzten Jahren erlebt haben. Ein sehr definierendes Werk. Es ist alles, auf das wir hingearbeitet haben, und wir lieben es."

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