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Biographie

Vladimir Horowitz
Stationen seiner Biografie

1903
Am 1. Oktober wird Vladimir Horowitz in Kiew geboren.
Die Mutter ist eine nicht unbegabte Amateurpianistin,
der Vater hat sich als Elektroingenieur ein Handelsgeschäft
aufgebaut, das englische und deutsche Firmen in Kiew
vertritt und dessen wirtschaftlicher Erfolg der Familie ein
großbürgerliches Leben gestattet.

1912
Im Alter von neun Jahren tritt Horowitz als Schüler in das
Konservatorium von Kiew ein. Hier wird er wesentlich von
Vladimir Puchalsky, Sergej Tarnowsky und - vor allem -
von Felix Blumenfeld unterrichtet.

1914
Ein Jahr vor dem Tod Alexander Skrjabins darf Vladimir Horowitz
ihm vorspielen. Skrjabin zeigt sich beeindruckt von Horowitz'
Begabung und empfiehlt den Eltern seine Förderung.

1920
Vladimir Horowitz legt sein Abschlussexamen am Konservatorium
in Kiew ab.

1921
Als 18-jähriger verlässt Horowitz Kiew und unternimmt nicht
besonders erfolgreiche Tourneen durch Russland. Er, der eigentlich
Komponist werden wollte, fühlt sich zur Pianistenlaufbahn gezwungen,
um die Familie finanziell zu unterstützen, die inzwischen durch Krieg
und Revolution gänzlich verarmt ist.

1924/25
Vladimir Horowitz gibt in Leningrad 25 Konzertabende in nur einer
Saison und spielt dabei über 200 verschiedene Werke, was ihm zwar
viel Anerkennung, aber nur einen minimalen finanziellen Erfolg einbringt.

1925
Horowitz verlässt im Herbst mit seinem Manager und Freund
Alexander Merowitsch Russland und reist nach Berlin. Im dortigen
Blüthner-Saal gibt er am 18. Dezember sein Berlin-Debüt als Solist
in Tschaikowskys Klavierkonzert b-Moll mit dem Berliner Sinfonie-
Orchester unter der Leitung von Oskar Fried.

1926
Am 2., 4. und 14. Januar veranstaltet die Konzertagentur Wolff & Sachs
mit Horowitz im Beethovensaal der Berliner Philharmonie drei Klavierabende,
die zu großen künstlerischen Erfolgen werden. Die Kritiken
sind ausgezeichnet, doch die Publikumsresonanz bleibt zunächst gering,
der letzte Abend ist allerdings ausverkauft.

Am 19. Januar debütiert Horowitz mit einem Soloabend in Hamburg
und macht dort am folgenden Tag - ohne Probe - Furore als Einspringer
in Tschaikowskys b-Moll-Konzert. Ein zweiter Klavierabend
in Hamburg und die folgenden Konzerte in anderen deutschen Städten,
in der Schweiz, Italien, Frankreich geraten zu gefeierten, oft spektakulären
Erfolgen.

Am 25. Oktober gastiert Horowitz erstmals bei den Berliner Philharmonikern.
Unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler spielt er Liszts
Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur.

1927
Bei seinem zweiten Auftritt mit den Berliner Philharmonikern am
7. November ist Horowitz wieder einmal Solist in Tschaikowskys
b-Moll-Konzert; es dirigiert Bruno Walter.

1928
Am 12. Januar debütiert Vladimir Horowitz in den Vereinigten Staaten:
Unter der Leitung von Sir Thomas Beecham führt er Tschaikowskys
b-Moll-Konzert mit den New Yorker Philharmonikern in der
Carnegie Hall auf.

1929
Sein drittes und letztes Konzert mit den Berliner Philharmonikern am
21. Oktober 1929 bringt Horowitz erneut mit dem Dirigenten Wilhelm
Furtwängler zusammen; diesmal steht das Klavierkonzert Nr. 2
B-Dur op. 83 auf dem Programm.

1931
Am 12. Juni entsteht im Beethovensaal der Philharmonie Horowitz'
einzig erhaltene Berliner Schallplattenaufnahme: Sergej Rachmaninows
Prélude g-Moll op. 23 Nr. 5.

1932
Am 30. März gibt Horowitz mit Nathan Milstein und Gregor Piatigorsky
in der Carnegie Hall einen Trio-Abend mit Werken von Beethoven,
Rachmaninow und Brahms.
In Deutschland finden für mehr als 5 Jahrzehnte die letzten Horowitz-
Konzerte statt.

1933
In Mailand heiraten am 21. Dezember Horowitz und Wanda Toscanini,
die jüngste Tochter des italienischen Dirigenten Arturo Toscanini, den
der Pianist bewundert und von dem er seinerseits sehr geschätzt wird.
Horowitz und sein Schwiegervater musizieren häufig miteinander und
nehmen zwei Schallplatten auf, die auch heute noch unverändert beeindrucken
(Brahms: B-Dur-Konzert op. 83 und Tschaikowsky: b-Moll-
Konzert op. 23).

1936-38
Horowitz zieht sich wegen einer Erkrankung zum ersten Mal aus
dem anstrengenden Konzertleben zurück, das ihn an den Rand der
Erschöpfung gebracht hat.

1944
Vladimir Horowitz wird amerikanischer Staatsbürger.

1953
Mit einem Auftritt als Solist beim New York Philharmonic Orchestra
(Dirigent: George Szell) am 12. Januar und einem Klavierabend am
25. Februar erinnert Horowitz an sein New Yorker Debüt vor 25 Jahren.
Für Horowitz wird der Soloabend zu einer Art Abschiedskonzert, da
er sich entschließt, nicht mehr öffentlich zu spielen. Er nimmt jedoch
weiter für die Schallplatte auf.

1965
Nach zwölf Jahren Abstinenz von öffentlichen Auftritten gibt Horowitz
am 9. Mai in der Carnegie Hall erstmals wieder einen Klavierabend.
Er gerät zu einem phänomenalen Erfolg, mit dessen Ausmaß der Pianist
selbst nicht gerechnet hat.

1968
Am 2. Januar und 1. Februar entstehen - mit Publikum - in der
Carnegie Hall die Aufnahmen für das erste "Fernseh-Konzert" von
Horowitz, das am 22. September erstmals über CBS Network
ausgestrahlt wird.

1969
Horowitz zieht sich abermals für fünf Jahre zurück und verzichtet
auf jede Konzerttätigkeit. Einige Schallplatten entstehen.

1974
Horowitz kehrt mit Auftritten in Cleveland (12. Mai) und im Saal der
Metropolitan Opera in New York (17. November) erneut auf das
Konzertpodium zurück. Im darauffolgenden Jahr unternimmt er seine
erste große Tournee durch die Vereinigten Staaten seit mehr als
25 Jahren, bei der er in 15 verschiedenen Städten spielt. Er erweitert
sein Repertoire um bislang von ihm nicht gespielte Werke von Debussy,
Schumann und Chopin.

1982
Horowitz kommt erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach
Europa und konzertiert zweimal in der Londoner Royal Festival Hall
(22. und 29. Mai).

1983
Nach einer USA-Tournee tritt Horowitz mit zwei Konzerten
(11. und 16. Juni) in der NHK Hall, Tokio, erstmals in Japan auf.

1985
Horowitz reist nach Europa für jeweils zwei Konzerte in Paris
(26. Oktober, 2. November) und in Mailand (17. und 24. November). Im
selben Jahr entsteht der Film "Vladimir Horowitz: The Last Romantic",
der am 15. November in der Carnegie Hall vorgeführt wird.

1986
Nach 61 Jahren kehrt Horowitz in die Sowjetunion zurück für zwei
Konzerte in Moskau und Leningrad (20. bzw. 27. April). Erstmals nach
54 Jahren betritt er deutschen Boden für Konzerte in Hamburg (11. Mai)
und in Berlin (18. Mai und ein spontan arrangiertes zusätzliches Konzert
am 24. Mai). Es folgen Auftritte in London sowie in Tokio. Im Spätherbst
desselben Jahres ist Horowitz erneut in Europa für Konzerte in
Frankfurt, Amsterdam und wiederum London.

1987
Den letzten Konzerten von Vladimir Horowitz in Deutschland (Berlin und
Hamburg, 7. bzw. 21. Juni) gehen Auftritte in Amsterdam (24. Mai) und -
erstmals seit 50 Jahren - in Wien (31. Mai) voraus.

1989
Im Oktober tritt Horowitz anlässlich einer Signierstunde in einem
New Yorker Schallplattengeschäft letztmalig in der Öffentlichkeit auf;
am 5. November stirbt er nach einem Herzanfall. Fünf Tage später
wird er in der Gruft der Familie Toscanini in Mailand beigesetzt.

Autor: Markus Zint

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